Nicht nur für mich, weil dies mein erster Blog ist und ich keine Ahnung habe, wohin mich das führt.
Nein, ich denke es wird unbequem, holprig, gefährlich, angsteinflößend, hinterfragend und mit Sicherheit eben nicht sicher. Komischerweise wissen wir alle, dass Veränderung Mut benötigt, um etwas Neues zu zulassen. Und da scheitern viele direkt. Du aber nicht, denn du bist hier und liest diesen Blogbeitrag. Erster Schritt zur Veränderung geschafft.
Gerade im Handwerk gilt das Motto Lösungen finden und wenn´s auch erstmal nur ein Provisorium ist (und auch hier weiß jeder, dass nichts länger hält als das 😉). Worauf will ich eigentlich hinaus? Das Thema, welches ich hier in diesem Blog immer und immer wieder anschneiden werde (eigentlich sind es sogar 2 Themen und mehr), bringt gerade sehr wenig Lösungen hervor. Im Gegenteil, wir verfallen fast gerade zu leicht in konservative Verhaltensmuster und stützen uns damit “das hat immer so funktioniert, dann ist es gut so, warum was Neues ausprobieren!“ Ziemlich deutsch, ziemlich bequem und genau das Gegenteil von mutig oder offen für neue Ansätze.
Seit knapp 5 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Handwerk sehr intensiv. Und wenn du mehr zum meinem Warum erfahren willst, schau doch einfach auf meiner Webseite vorbei .
Mir sind 2 Dinge aufgefallen, die mir im Handwerk missfallen:
- Umgang mit dem Thema Nachwuchs im Handwerk
- Wertschätzung von Handwerk
Und dies sollen hier meine wichtigsten Themen darstellen. Da freue ich mich auch immer wieder über Feedback von dir. Also halte dich damit bitte nicht zurück.
Das Thema Fachkräftemangel ist zum Trinkspiel geworden, denn ohne Trinken hält man diesen Zustand fast nicht mehr aus. Ja, es ist leider ein Zustand und bedeutet somit auch keine Veränderung, jedenfalls keine bahnbrechende bisher. Überall, wo es nur geht, wird das Wort Fachkräftemangel erwähnt. Sei es als Entschuldigung, als Ausrede, als Begründung, als Argument etc. In sämtlichen Panneldiskussionen, Keynotes, Impulsvorträgen, Debatten usw. wird darüber berichtet, gesprochen, verhandelt. Nur eins folgt daraufhin selten: Machen. Handwerk ist aber Machen. Aber wenn es um dieses Thema geht, wird noch viel zu wenig gemacht. Hier und da, vereinzelt, aber eben nicht flächendeckend. Das wäre aber bitter nötig. Wir können doch nicht riesengroße Herausforderungen mit minimalen Mitteln bekämpfen. Das ist ja so, als wenn wir ein Haus bauen wollen, aber nur eine einzige Schaufel als Werkzeug dafür haben und außerdem auch eigentlich nur über den Hausbau reden, statt loszulegen. Klar ich übertreibe ein wenig, aber leider auch nur ein wenig.
Was jetzt tun? Wie gedanklich und dann auch in der Umsetzung weiterkommen?
Zuerst habe ich beschlossen diesen Fachkräftemangel einzuteilen. Es gibt natürlich mehrere Ansätze, die wir betrachten können und die auch Sinn machen berücksichtig zu werden:
- (Fach)Kräfte aus dem Ausland beziehen
- Quereinsteiger aus anderen Berufen und Branchen
- LGBTQ+ und Minderheiten den Weg ebnen, d.h. Aufklären und Bewusstsein schaffen, dass bestimmte Gruppen nicht ausgegrenzt oder verurteilt werden
- Frauen für das Handwerk begeistern und integrieren
- Nachwuchs für das Handwerk begeistern
Tatsächlich habe ich mich dem Nachwuchs für das Handwerk verschrieben. Und da geht´s ja auch schon los. Wer ist denn eigentlich gemeint mit Nachwuchs und wie kann man diesen begeistern? Das Problem heute: Jugendliche im Alter von 15/16 Jahren sind mit Nachwuchs hauptsächlich gemeint. Meines Erachtens ein fataler Fehler. Ganz doofe Frage: Sind wir Menschen / Kinder denn vorher nichts wert? Scheinbar nicht, jedenfalls nicht als brauchbare, skalierbare Ressource, in die man investieren kann mit potenziell guten Chancen.
Mir tut es an dieser Stelle schon mal gar nicht leid unbequem zu werde. Was für ein Schwachsinn ist das bitte! Stärken und Interessen finden sich doch schon bei den Kleinsten unter uns. Wir sehen doch sofort, sobald Kids selbständig spielen können (also bereits vor dem Kindergarten), welche Tendenzen da vorhanden sind. Durch meine langjährige Erfahrung als Dozentin (nicht Lehrkraft) an verschiedensten Schulen in verschiedensten Projekten weiß ich sehr gut: Schule fördert hauptsächlich das, was die Kinder eben nicht so gut können, deren Defizite. Aber die Stärken, dass was uns auch ausmacht, das worin wir gut sind, das, was uns *upsi* auch noch Spaß macht und im schlimmsten Fall auch noch einfach VON DER HAND geht, das brauchen wir nicht beachten. Ich verstehe das nicht. Wenn wir junge Menschen in ihren Talenten unterstützen würden, hätten wir doch letztendlich mehr Jugendliche, die wissen, was sie gut können. Das zu fördern liegt nicht nur bei den Eltern, der Schule oder anderen Institutionen. Es sollte die Aufgabe von allen zusammen sein. Und da wird´s auch schon schwierig, denn hier schiebt sich jeder die Verantwortung von sich weg.
Wenn Jugendliche jedoch in der Pubertät mit Dingen wie:
1. Wer bin ich?
2. Wen liebe ich?
3. Was ist meine Sexualität?
4. Führerschein
5. Abgrenzung zu den Eltern
beschäftigt sind, sollen sie dann auch noch entscheiden und selbst herausfinden, worin sie gut sind und zu welchem Beruf das passt? Also das ist reichlich viel auf einmal. Sind die Stärken aber vorher schon relativ gut verankert, wird da die Wahl wahrscheinlich einfacher fallen. Aber hey, einfach wollen wir ja nicht. Geld muss hart erarbeitet werden und von Spaß darf keine Rede sein. Gut, dass haben wir jetzt leider so eingetrichtert jahrelang und dann versuchen wir wieder das Gegenteil, nämlich Jugendlichen Berufe näher zu bringen, schmackhaft zu machen und wie toll und spaßig diese sein könnten. Merkst du selbst, dass da etwas nicht stimmt. Kann ja gar nicht funktionieren.
Deswegen ist es mein Anliegen oder irgendwie scheinbar auch meine Revolution (so kommt es mir manchmal vor) schon viel früher das Thema Handwerk Kids näher zu bringen. Wir brauchen uns nicht darüber streiten, dass nicht jeder Mensch im Handwerk glücklich wird und auch nicht jeder dafür geeignet ist. Darum geht es auch nicht. Sondern es geht darum endlich aufzuhören über den Fachkräftemangel zu meckern, endlich wieder ins Tuen zu kommen und weitere Möglichkeiten einfach nicht auszuschließen. Wer glaubt, dass wir schon genug für den Nachwuchs im Handwerk tuen, der ist weder auf einem Stein- noch Holzweg unterwegs, schlimmer noch, der hat leider überhaupt keine Ahnung, was er da sagt (und wahrscheinlich auch kein Interesse daran).
Vielleicht liefert dieser Blog nicht DIE Lösung für ALL DIE Herausforderungen. Aber vielleicht gibt es den ein oder anderen Denkanstoß. Vielleicht ermutigt der Blog auch neue Wege auszuprobieren und es mal anders zu machen wie zuvor. Vielleicht dient dieser Blog als Inspiration oder als Entwicklungs- und Entdeckungsreise. Ich werde mich auf den Weg der Forschung, Ermittlung und Möglichkeiten begeben. Es mag sein, dass dies erst die Spitze vom Eisberg ist und evtl. stoße ich nicht nur auf Begeisterung, aber das ist kein Grund es unversucht zu lassen.
Wo gehobelt wird, da fallen Späne! Es bleibt also weiterhin spannend…
Die Antje, die es mal anders anpackt



