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Wertschätzung für’s Handwerk

Handwerklich inspiriert

Pilotprojekt im Sommer 2026

Es ist soweit! Das Pilotprojekt zum Thema Handwerk in Schulen startet zum neuen Schuljahr 2026/2027.

In vielen Schulen ist es nicht mehr möglich Werk-Unterricht zu geben. Es mangelt an Räumlichkeiten, an Werkzeug, an Werkmaterial und geschultem Lehrpersonal. Somit verschwindet Handwerk immer mehr aus den Schulen und eine starke Anknüpfung geht verloren. Schule ist der Ort, wo viele Kinder zusammenkommen. Hier haben sie die Möglichkeit Wissen nicht nur zu lernen, sondern auch zu entdecken und das nicht nur mit dem Kopf. Wenn die Schulen aber nicht mehr die Möglichkeiten haben, dies den Schüler und Schülerinnen zu bieten, wer soll es dann machen. Nicht jedes Kind kommt aus einem Haushalt, in dem Handwerk gefeiert wird. Vielleicht sogar nicht einmal beachtet oder wertgeschätzt. Die Schule hingegen wäre dafür ein neutraler Boden. Leider sieht die Realität auch da mittlerweile anders aus.

Warum das Pilotprojekt?
Genau da soll angesetzt werden. Handwerk ganz leicht wieder in die Schulen zurückzubringen. Das Konzept, welches im Pilotprojekt entstehen wird, soll einfach übertragbar auf weitere Schulen sein, ohne das ein Werkraum, Material, Werkzeug oder geschultes Lehrpersonal vorhanden sein muss. Einzig und allein der Wille wieder Handwerk an der Schule zu zeigen, ist Voraussetzung.
Pilotprojekt Handwerk an Schulen

Wie soll das gehen?
Solche und viele andere Fragen zum Projekt bin ich mal durchgegangen und werde diese nun in einer Art Interview hier beantworten. Stelle dir also einmal vor Vertreter:innen der Handwerkskammer oder der Innungen oder der deutschen Handwerkszeitung oder Schulvertretungen würde mir diesbzgl. Fragen stellen. So oder ähnlich könnte das Interview sich gestalten. Kleiner Hinweis: einige dieser Fragen habe ich tatsächlich schon so gestellt bekommen.

Interviewer ( I.): Wie entstand die Idee für eine Handwerks-AG an Schulen?
Antje (A.): Mir war klar, dass wir in Zukunft nichts ändern werden, wenn wir nicht schon bei viel jüngeren Generationen wieder den Mehrwert und die Lust auf Handwerk wecken. Wenn nicht in Schulen, wo viele Kinder zusammen kommen, wo dann?

I.: Was möchten Sie den Kindern über das Handwerk vermitteln?
A.: Ich möchte erstmal den Zugang zum Handwerk herstellen, also eine Sichtbarkeit dafür schaffen, was uns tagtäglich umgibt und ohne das Leben nicht funktioniert in der heutigen Zeit.

I.: Welche Handwerksberufe lernen die Kinder kennen?
A.: Ich habe vor jede Woche, also pro Einheit pro Gruppe, ein neues Gewerk vorstellen zu können, sodass auch eine Sammelmappe dazu von den Kindern angelegt werden kann.

I.: Wie läuft so eine typische Stunde ab?
A.: Das habe ich noch nicht zu 100% festgelegt, es wird aber immer ein Anfangs- und ein Schlussritual der Stunde geben.

I.: Was begeistert die Kinder besonders?
A.: Das ist auch von jedem einzelnen Kind abhängig. Wir sind alle unterschiedlich und vielseitig. In der Schule sollte es auch darum gehen eigene Fähigkeiten zu entdecken. Das Thema Handwerk soll spielerisch vermittelt werden und dadurch auch begeistern.

I.: Sie haben keinen Werkraum. Kann man unter diesen Bedingungen überhaupt von einer Handwerks-Einheit sprechen?
A.: Ja kann man. Denn Handwerk überhaupt wieder aktiv in Schulen zu bringen braucht es nicht einen Werkraum, aber die Ideen, wie Kinder auch anders darauf aufmerksam gemacht werden können. Solche neuen Ideen werde ich im Pilotprojekt ausprobieren.

I.: Handwerk lebt vom Anpacken. Fehlt den Kindern nicht die praktische Erfahrung?
A.: Handwerk ist Machen 100%. Aber nur weil wir keinen Werkraum haben, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht auch etwas machen können. Es geht hier viel mehr auch darum Handwerk sichtbar und verständlich, also nahbar, für Kinder zu machen. Dies kann über mehrere Wege geschehen, also nicht nur über das Machen.

I.: Und wie schaffen Sie es, handwerkliche Tätigkeiten erlebbar zu machen, ohne tatsächlich zu werken?
A.: Indem ich neue Wege finde, die nicht das Werken in den Mittelpunkt stellt, sondern das grundsätzliche Kennlernen und Entdecken. Dies kann z.B. über das Malen von Werkzeugen entstehen oder aber von kleinen nachgespielt Geschichten aus dem Handwerk oder auch mit der Zollstock Session. Die hat sich schon mehrfach als erfolgreich bewiesen.

I.: Besteht dann nicht die Gefahr, dass die Kinder ein unrealistisches Bild vom Handwerk bekommen?
A.: Gegenfrage: Besteht nicht die Gefahr, wenn Kinder nur noch am Display (Handy, TV, Tablett etc) hängen oder auf Social Media, dass sie ein unrealistisches Bild ihrer ganzen Umwelt bekommen? Ich glaube die Gefahr in meiner Frage ist viel größer, als dass ein unrealistisches Bild entsteht, wenn Handwerk überhaupt erstmal wieder sichtbar und nahbar für Kinder gemacht wird. Die Gefahr von Handwerk, ein unrealistische Bild zu bekommen, wird eher größer, wenn wir weiterhin es nicht vermitteln. Und irgendwo müssen wir anfangen. Warum nicht mit neuen Ideen wie diesem Pilotprojekt.

I.: Ist eine spielerische Herangehensweise ausreichend, um Interesse für Handwerksberufe zu wecken?
A.: Ja absolut. Wenn wir die es erst gar nicht angehen, was jetzt in vielen Schulen der Fall bereits ist, kann das Interesse noch weniger geweckt werden.

I.: Manche Handwerker sagen: „Handwerk lernt man nur mit Werkzeug in der Hand“. Was entgegnen Sie?
A.: Das es auch Einheiten geben wird, in denen ich Werkzeug mitbringen werde.

I.: Wird in diesem Konzept Handwerk nicht zu stark vereinfacht?
A.: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?! Um überhaupt einen Zugang zu verschaffen ist es wichtig so niederschwellig wie möglich zu starten, um sich dann entwickeln zu können. Lehrling, Geselle, Meister. Ist doch dasselbe Prinzip 😉

I.: Warum investieren Sie Zeit in Rollenspiele und Rätsel, Malen und co., statt z.B. in echtes Arbeiten mit Holz?
A.: Da es ein Pilotprojekt ist, möchte ich gerne neue Möglichkeiten und Herangehensweisen testen. Das schließt aber nicht grundsätzlich die Arbeiten mit Materialien komplett aus.

I.: Welche Kompetenzen erwerben die Kinder in der Handwerks-Einheit?
A.: Einen Zugang zum Handwerk. Ggf. entdecken sie ihre Stärke darin. Ich gehe aber nicht mit der Erwartung in das Projekt, dass die Kinder mit Kompetenzen oder Qualifikation da heraus gehen.
Interview Pilotprojekt Handwerk

I.: Welche Rolle spielen Kreativität, Problemlösen und Teamarbeit?
A.: Sie stellen genau dar, was Handwerk bedeutet. Handwerk ist tagtäglich problem- und lösungsorientiertes Denken. Dafür braucht es die Kreativität natürlich und für die Umsetzung oft das Team.

I.: Können solche Angebote dem Fachkräfte- oder Nachwuchsmangel im Handwerk langfristig entgegenwirken?
A.: Da es ein Pilotprojekt ist, kann ich das nicht zu 100% statistisch belegen. Wenn wir solche Angebote jedoch weiterhin vermeiden und nicht ausprobieren, werden wir es auch nicht herausfinden können.

I.: Was hat Sie persönlich motiviert, diese AG / Einheit anzubieten?
A.: Ich selbst arbeite schon an dieser Schule, an der ich das Pilotprojekt jetzt anbiete. Außerdem arbeite ich noch an weiteren Schulen, als Künstlerin in verschiedensten Projekten. An allen Schulen ist mir aufgefallen, das Handwerk komplett fehlt. So ist die Idee entstanden da mal etwas Neues auszuprobieren. Ich bin sehr dankbar für diese Schule, welche diese Idee mit offenen Armen empfangen hat.

I.: Haben Sie selbst einen Bezug zum Handwerk?
A.: Mein Vater ist gelernter Zimmermann und hat seit ich denken kann eine eigene, ziemlich große Hobby Werkstatt. Ich bin also mit Handwerk groß geworden. Außerdem hat die Flutkatastrophe aus meiner Heimat im Ahrtal 2021 mich nochmal dazu bewegt, dem Handwerk mehr Beachtung zu schenken. Daraus ist die Initiative #liebegehtrausanshandwerk entstanden und so hat sich dann alles Stück für Stück weiter entwickelt.

I.: Was wünschen sie sich für die Zukunft des Handwerks in Bezug auf Schulen?
A.: Schule sollte nicht nur ausbilden bzw. vorbereiten auf ein Studium. Es gibt unzählige andere Ausbildungsberufe mit tollen Karrierewegen. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Sichtbarkeit von Handwerk daher wieder mehr in den Schulen ansteigt.

Wie hat dir das Interview gefallen? Teile es doch gerne! Oder lade mich zu deinem Podcast ein. Vielleicht weißt du auch noch Möglichkeiten mit Bühnen, wo ich öffentlich über das Thema sprechen könnte, dann gib mir gerne den Hinweis.

Denn in der Zusammenarbeit erreichen wir alle mehr!

Die Antje, die es mal anders anpackt.

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